II. Abenteuer, Halloween und Organisieren

Es ist kaum eine Woche her seit meinem letzten Eintrag und die war keineswegs langweilig. Der Grund für dieses Update ist jedoch nicht die vergangene Woche, sondern das bevorstehende interkulturelle Fest, zu dem ich einen eigenen Eintrag machen will. Doch erst zu dem, was in den letzten Tagen passiert ist.

Wie schon angekündigt war ich am Donnerstag mit Chad im Fitnessstudio. Der Versuch mit dem Personal dort zu kommunizieren scheiterte kläglich, da weder sie dort Englisch, noch wir verstehbares Chinesisch sprachen. Allerdings konnte ich die Räumlichkeiten besichtigen und kam so zu meiner langersehnten Übungsfläche für Parkour. Zu Anfang waren mehr Trainer als Sportler da, und obwohl der Service sehr gut war (mir wurde eine ausfürliche Führung durch die Räume zu Teil- auf Chinesisch, einfach nicken und lächeln) fühlte ich mich etwas fehl am Platz. Ich werde also wahrscheinlich nicht noch einmal dort hingehen, da ich mich einfach nicht an die Tatsache gewöhnen kann, dass man immer angestarrt wird.

Auf jeden Fall konnte ich die Gelegenheit nutzen um Parkourrolle, Brücke und Rad zu üben. Dass heißt, dass ich jetzt mit Parkour anfangen kann, sobald ich die Zeit dazu finde.

Im Chinesisch Unterricht, bei dem Versuch die Zahlen zu lernen

Der Chinesisch Unterricht in der Schule ist leider nur zwei mal pro Woche, und ich überlege momentan weiteren Unterricht in der Stadt zu nehmen. Ich habe ein paar nette Leute kennengelernt, die Chinesisch unterrichten, also werde ich vermutlich dort hingehen.  (Auch wenn ich nicht weiß, wie ich ohene Mobike dort hin kommen soll) Momentan versuche ich 1-2 Stunden pro Tag Chinesisch zu lernen, aber mit allem, was momentan passiert, habe ich einfach keine Zeit. Der Unterricht in der Schule ist allerdings aufgrund meiner Klassenkameraden sehr unterhaltsam.

Helen (Englischlehrerin) bei der Qipao Anprobe

Da ich kurz zuvor erfahren hatte, dass die ausländischen Lehrer beim Interkulturellen Fest zur Eröffnungsfeier ein Qipao, ein traditionelles chinesisches Kleid tragen und ebenfalls ein chinesisches Volkslied (Mo Li Hua – Jasmin) singen müssen, ging ich am Samstag mit Helen und ihrer Chefin auf Qipao-Jagd. Ich hatte Glück und konnte schnell ein Passendes finden, da Helen allerdings um einiges größer ist als der normale Chinese, musste sie sich damit abfinden etwas mehr auszugeben und sich eines schneidern lassen. Da meine Kreditkarte momentan nicht funktioniert, musste Helens Chefin für mich bezahlen. 🙁 Helen lud mich außerdem zu einer Halloween-Party am Abend ein. So begann mein erstes großes Abenteuer in Hangzhou…

Mein Halloween Kostüm

Das Outfit und Makeup war schnell gefunden (schwarz, schwarz, schwarz, und schwarze Tatoos, viel weißer Concealer, dunkler Eyeshadow und roter Lippenstift). Nun stand ich vor der Herausforderung alleine die U-Bahn zu nehmen, um zu der Bar kommen, in der sich Helen und ihre Bekannten treffen wollten. Ihr wisst das vielleicht nicht, aber in Hangzhou gibt es standartisierte Gepäckkontrollen und man kommt nur mit Ticket auf den Bahnsteig. Dazu kam die Tatsache, dass ich kein Münzgeld  mehr hatte und Bahnautomaten erfahrungsmäßig immer Probleme haben, Geldscheine  zu akzeptieren.  Die Bar Wade’s zu finden war ebenfalls nicht ganz einfach, da der Aufzug sehr unscheinbar war und meine Karten auf dem Handy  leider immer noch in Chinesisch sind. Ich bin für ca. 15 minuten im Gebäude herumgeirrt, nur um festzustellen, dass der Aufzug draußen ist und den einzigen Weg zur Bar darstellt.

Billiard/Spirited Away

Nach mehrern Bar-Wechseln und einer Menge neuer Bekannter und/oder WeChat-Kontakten, zerstörten Füßen (ich hätte nicht auf Helen hören und die flachen Schuhe anziehen sollen), mehreren Cocktails und Billiard-Spielen und verschieden Tanzstunden (Andre, vielen Dank für DiscoFox) hatte ich endlich genug. Nicht einmal die Tatsachen, dass ich mich in der bestbeschallten Bar Hangzhous befand und Jackson Wang ein in China durchaus beliebter Musiker ist, konnten mich davon abhalten an Ort und Stelle einzuschlafen. Ich nahm also meinen Mut zusammen und hielt erfolgreich ein Taxi an (Ich hatte eventuell auch Hilfe von einer Gruppe junger Chinesen 🙂 ) und schaffte es dem Taxifahrer zu sagen, dass ich zur Lu Cheng Yuhua wollte und kam auch tatsächlich dort an.

Dass ich mich nun alleine in Hangzhou zurechtfinden kann, konnte ich am nächsten Tag gleich ausnutzen. Ich hatte zwar eine Konzentrationsstunde mit einem meiner Schüler, der Rest des Tages war allerdings noch frei. Ich war also fest entschlossen, meine Chinesichkenntnisse auf die Probe zu stellen und die nahegelegenen Xixi-Feuchtgebiete zu besichtigen.

Xixi-Wetlands, Foto von einem der Ausblickpunkte. Viele der Wege sind auf Stegen.

Mir war empfohlen worden dort joggen zu gehen, da sie nur etwa ein Kilometer von der Schule entfernt sind. Nach der „Besichtigung“ komme ich jedoch zu dem Schluss: Für Joggen gibt es viel zu viel Wasser und viel zu viele Touristen. Das Xixi-Feuchtgebiet ist ein 60 Quadratkilometer großes Feuchtgebiet (mehr See mit etwas Erde als sonst etwas), welches man umwandern und mit dem Schiff befahren kann. Das Ganze ist mehr wie ein riesiges Museum mit kleineren Gebäuden und historischen Nachbauten, als ein Naturschutzgebiet. Ich bin am Sonntag nur für insgesamt drei Stunden am Rand des Parks entlang gelaufen, bis ich zu einem Bootanleger kam, und hatte mich auf der Karte kaum bewegt. Allerdings wollte ich die Bootsfahrt nicht alleine unternehmen (und hatte vielleicht auch ein wenig Angst vor dem Tickettkaufen) und nutzte eine der zahlreiche Pagoden um etwas Chinesisch zu lernen.  Das was ich von den Xixi-Feutgebieten gesehen habe ist jedoch sehr schön. Die Wege gehen über Brücken und Stege, momentan blühen wilde Hibiskus-Büsche und zumindest am Sonntag schien die Sonne und die Luft war smogfrei.

Letzteres kann man  leider von den letzten Tagen nicht behaupten. Ich dachte zuerst, dass es besonders hartnäckiger Nebel wäre, als der sich dann bis abends noch nicht aufgelößt hatte ging mir auf, dass es Smog war.

Proben für Mo Li Hua

Am Mittwoch war dann auch die lang ersehnte Probe für Mo Li Hua  im Qinqin Campus, welcher moderner, somit schicker, und mit einem eigenen Cafe und Sesseln für Lehrer ausgestattet ist. Wir mussten das Lied auswendig lernen, nun stellte sich heraus, dass sie die ganze Aufführung als Playback spielen werden, und wir nur unsere Münder passend bewegen müssen.

Fahrrandtour mit Stephanie und Nuria

Es eröffnete sich hier außerdem die Möglichkeit mit Stephanie (einer Kollegin) und Nuria (der Spanisch-Lehrerin) mit dem Fahrrad zurück zum Yuhua Campus zu fahren. Die Fahrt selbst dauerte eine halbe Stunde, man muss sich nur etwas behaupten, dann kommt man durch den Verkehr. Wir kauften außerdem passenderweise jede einen Strauß Jasminblumen von einem Straßenhändler.

Stephanie mit Apfelkuchen aus dem frisch gekauften Backofen

Stephanie hat außerdem einen Backofen gekauft (das Fehlen von Taobao und Alipay zeichnet sich langsam als echtes Defizit in meinem Leben aus!) Das heißt, dass ich ebenfalls etwas backen kann!! Der Wunsch, Dampfnudeln für meine Kollegen zu machen ist momentan noch ein Traum. Doch mit Taobao kann ich endlich Hefe kaufen. Nichts ist schwerer als der Versuch in China westliches Essen zu kochen. Und ich muss sagen, dass ich es etwas vermisse.

In meinem Alltag hat sich auch einiges verändert: Zu meinen normalen Unterrichtsstunden kommen nun auch noch Konzentrationsstunden hinzu, welche ich mit einem der Schüler, welcher am Ende des Schuljahres auf ein Deutsches Gymnasium wechseln soll, habe.  Wie auch immer der Sprung auf eine deutsche Schule mit komplett deutschem Unterricht funktionieren soll… Ich versuche also momentan verschiedene Fächer auf Deutsch durchzugehen, um ihn mit dem neuen Vokabular vertaut zu machen. Er soll immerhin das Abitur schaffen.

Christiane (meine Abteilungsleiterin) hatte mir außerdem die Aufgabe gegeben, für den Austausch mit den zwei deutschen Schulen eine kleine Aufgabe vorzubeiten. Wir hatten uns auf Theaterstücke über chinesische Legenden geeinigt, also verbrachte ich viele Stunden am Schreibtisch, um passende Märchen zu finden und die Gruppen so einzuteilen, dass alle 77 Schüler eine Aufgabe haben. Dreizehn Geschichten habe ich herausgesucht.  Zusätzlich wurde mir die Ehre zu Teil, bei dem Student Leaders Summit am 5ten November als Richterin zu agieren, obwohl ich von 9.00 bis 13.30 im Qinqin Campus bin und um 16.30 zum Abendessen mit den Schulleitern muss (bei dem ich übrigens der Mond ist aufgegangen singen werde). Aber die drei freien Stunden sind genug, um ein Richter zu sein. Und alle meine Tage sind so voll.

Wie ihr schon merkt, kommen ereignisreiche Tage auf mich zu, und ich habe es immer noch nicht auf die Reihe bekommen eine Bank zu finden, die mein Visum akzeptiert. Doch ich bekomme das noch irgendwie hin.

PS: Vikki, du weißt gar nicht wie viel Katzen es hier gibt. In allen Farben und Größen

I. Ankunft in Hangzhou, China

Aufgrund der Vielzahl an Stimmen, welche von mir hören wollen, habe ich mich dazu entschieden einen Blog zu schreiben. Da ich die Texte zusätzlich zu meiner Arbeit und etwaigen Freizeitbeschäftigungen verfasse, müsst ihr euch auf sparsame Auskunft einstellen.

Wie ihr schon wisst bin ich am 09. Oktober 2018 in das Flugzeug von Frankfurt am Main, Deutschland nach Shanghai, China gestiegen um die nächsten neun Monate in Hangzhou an der Green Town Yuhua School als Assistenzlehrer Deutsch zu unterrichten.

Trotz großer Aufregung am Flughafen (Bezüglich Gepäck- und Passkontrolle; der Frage, ob mein Gepäck in Shanghai ankommen wird und ob ich das Umsteigen in Dubai alleine schaffen werde) bin sicher und ohne das kleinste Problem in Hangzhou angekommen. Ich bekam zwar einen ersten kleinen Kulturschock, als ich meine Fingerabdrücke scannen und meinen ersten Übernachtungsort (Ich wusste nur, dass ich an der Lu Cheng Yuhua Xuexiao übernachten würde, aber hatte die genaue Adresse vergessen) angeben musste. Allerdings holte mich eine meiner Kolleginnen am Flughafen ab, sodass die Taxifahrt nach Hangzhou reibungslos, verlief.

Blick von der Haustür aus

An der Schule selbst wurde mir meine Wohnung gezeigt: Viele der Lehrer wohnen auf dem Campus der Schule, ich bekam ein überraschend großes und fertig eingerichtetes Apartment mit  großem Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und zwei Balkons.

 

Alle Rechnungen, welche in der Wohnung anfallen (Wifi, Strom, Wasser, eventuell einmal Gas, wenn es funktioniert) werden von der Schule bezahlt.

Schon am ersten Abend stellte sich ein Nachteil Chinas heraus: Sie wissen leider nicht was Pizza ist. Frittierter Boden und keine Tomatensoße… Aber naja.

Andererseits: Warmes Wasser ist mit dem Boiler herzustellen; eine Waschmaschine und Kühlschrank sind vorhanden; das Hahnwasser ist zwar nicht trinkbar, dafür gibt es allerdings einen Trinkwasserspender (den man allerdings trotz so gut wie nicht existenten Chinesisch selbst auffüllen muss). Der schwarze Staub lässt sich nach etwas putzen gut entfernen. Aufgrund meiner Schläfrigkeit im Flugzeug und im Taxi hatte ich nicht einmal ein Jetlag.

So gesehen konnte mein Aufenthalt in China nicht besser los gehen.

 

Von der Dining Hall zum Multimedia Gebäude, eine Kollegin
ein Schulgebäude

Das Schulgelände ist schön. Man kann in Hangzhou eine Pflanze setzen und es wird in kürzester Zeit ein Baum daraus. Der Campus ist also sehr grün. Die Gebäude sind dezent protzig, aber das kann ja nicht Schaden.

Bevor ihr fragt: Ja, die Schüler tragen Schuluniformen. Nein, sie sehen nicht so aus wie in Anime und anderen Serien. Es gibt zwar ein formales Outfit, getragen wird meist aber die gemütliche Version, welche mehr wie Sportklamotten aussieht. Es gibt keine Regelungen  bezüglich Klamotten für Lehrer, und viele der Menschen laufen auch mit kaputten Jeans ect. auf der Straße herum ( Ich hätte also meine löchrigen Hosen mitnehmen können!) Trotzdem sind die Chinesen insgesamt besser gekleidet als wir Deutschen. Das könnte auch daran liegen, dass Klamotten, wie eigentlich alles sehr günstig sind. Und spottbillig, wenn man über das Internet bestellt.

Lehrerzimmer, Helena
Meine Kollegen (bis auf die Frau im roten Pulli)

Überraschend war: Die Tatsache, dass jede Fachrichtung ein eigenes Lehrerzimmer hat.  Außerdem gehen Schüler und Lehrer viel freundlicher und freundschaftlicher miteinander um, als  es in Deutschland möglich wäre. So kommt es durchaus mal vor, dass sich Lehrer und Schüler einmal umarmen oder zusammen Essen gehen. EIne Kollegin, die Deutsch-Abteilungsleiterin, hat mir sogar empfohlen einen der Schüler zu bitten, das Chinesisch in meiner Wohnung zu übersetzen. Wir haben nicht sehr viel Unterricht, zumindest nicht für sechs Lehrer, allerdings kommen sie Schüler ins Lehrerzimmer um Tipps zu bekommen oder um weiteren Unterricht zu bitten. Meistens findet dieser im Lehrerzimmer oder einem der zwei Deutschräume statt. Es ist durchaus möglich, dass Schüler an den Computern der Lehrer arbeiten um Projekte zu bearbeiten. Ich habe jetzt also eine Menge neue WeChat Kontakte und hoffe darauf, dass die Zwölftklässler mir nach ihren Prüfungen die Stadt zeigen können. Da der Herbst in Hangzhou sehr kurz ist, habe ich nur noch ca. 1 Monat Zeit um Sightseeing zu gehen, bevor es sehr kalt wird.

Die Schüler sind leider meist sehr beschäftigt: Unterricht beginnt um 7:00; von 12:00 bis 13:00 ist Mittagspause; von 17:10 bis 18:10 ist Abendpause; um ca 19:30 ist Unterrichtsschluss. Dann kommen Hausaufgaben (Ich schätze 2-3h). Samstag ist theoretisch frei, allerdings gehen viele Schüler zum Extraunterrricht von Nachhilfeschulen in der Stadt. Sonntag gibt es wieder ein paar Stunden in der Schule… In China zur Schule gehen ist hart.

Diesen Zettel muss ich die sechs Monate bis zur Verlängerung behalten!

Zusätzlich wusste ich nicht, dass man sich am ersten Tag nach er Ankunft bei der Polizei melden muss. Außerdem: Ohne Alipay ist man eindeutig benachteiligt in China. BikeSharing, ein Taxi rufen, Bus oder Bahn fahren, Dinge bestellen. Alipay macht das Leben unglaublich einfach. Man kann mit Bargeld bezahlen, wird aber oft schräg angesehen.

Nachdem ich mit zwei meiner Kolleginnen die nötigsten Haushaltsgegenstände und etwas Essen gekauft hatte, konnte ich sogar alleine einkaufen gehen. Momentan bin ich nämlich von Chinesisch sprechenden Kollegen und Freunden sehr abhängig. Ich kann jetzt immerhin alleine: Wasser bestellen, Einkaufen gehen, U-Bahn fahren, und nach 8:00 das Schulgelände betreten. Das erste Mal, dass ich durch die Schranke musste, habe ich dem Wächter fast erzählt, dass ich Lehrer heiße…

Das erste Wochenende in Hangzhou war in sofern aufregend, dass eine Musiklehrerin aus Deutschland mit unseren Schülern ein Projekt veranstalten wollte. Somit verbrachte ich mein erstes, eigentlich freies, Wochenende damit den Schülern deutsche Gedichte und Lieder beizubringen.

Frontaler Chor

Die meisten Schüler hatten nur ein paar Monate bis ein Jahr Deutsch gelernt, da die 12 Klasse demnächst Prüfungen hat und nicht teilnahm. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass Aussprache und vor allem das Auswendiglernen deutscher literarischer Texte schwer war. Dazu kamen noch die hohen Ansprüche von der Lehrerin, deren Ansprüche Perfektion sind.

Auftritt am ersten Wochenende, Gruppenbild

Letztendlich war das ganze ein großer Erfolg, wenn der Auftritt auch etwas kurz war. Grün, Grün, Grün sind alle meine Kleider (Chor), verschiedene Gedichte von Heinz Erhardt  (einzelne Schüler oder Gruppen) und Fantastische Solo Auftritte von Kai (Der Mond ist aufgegangen) und Pauline (Lorelei) und Stern über Bethlehem. Kai ist jetzt mehr oder weniger berühmt in der Stufe, da er so gut singen kann!

 

In der nächsten Woche lernte ich die Klassen besser kennen, übernahm eine Stunde der 12 Klasse über Extremsport, welche in einem Danceoff endete; Korrigierte Hausaufgaben (Alle HA der Schüler müssen abgegeben und kontrolliert werden); Half verschiedenen Gruppen des Wettbewerbs am nächsten Wochenende ihre Texte zu kontrollieren und bereitete mich mental auf eine Aufführung von Faust (wenn auch vereinfacht) im Frühling vor.

Eine Unterrichtsstunde, als der Musiklehrer mit den Schülern üben wollte
Unterricht an einer anderen Schule, Deutsche Namen

Ich muss sagen, dass die Aufführung einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat: Das Lieblingstier der Schüler wird für immer der Kabeljau sein; Das Wort Schade wir mit besonderer Betonung ausgesprochen; Grün, rot und schwarz sind die populärsten Farben; Das Meer ist blau und das Meer ist weit; Und nicht zuletzt die große Liebe zu Wörtern mit G, wie Gefährlich, Geliebte, Gesäß, Getränke Gebracht, Getroffen oder auch Großes Glas.

Ich helfe der Abteilungsleiterin verschiedene Klassen an anderen Schulen zu unterrichten und lerne dabei die Stadt ein bisschen besser kennen. Das Herumfahren ist viel Arbeit!

 

Zusätzlich war ich bei einem Essen mit den Schulleiter, den Vizeschulleitern, Sprachlehrern und verschiedenen anderen Persönlichkeiten. Dadurch, dass es im besten Restaurant Hangzhous stattfand und ich kaum Chinesisch spreche, fühlte ich mich etwas am falschen Ort.

Restaurant, die Räume sind einzelne Häuser auf dem West Lake

Trotz der Aussage des Xiaozhang, dass wir eine große Familie seien, spürte man den Druck der mit den Unterschieden in der Stellung zwischen den Anwesenden kam. So hatte meine deutsche Kollegin seit einem Monat versucht einen neuen Herd zu bekommen. Als der Schulleiter davon erfuhr, war am nächsten Tag morgens der neue Herd da. Auffallend war auch die Tatsache, dass es Ausländische Lehrer an der Schule, Ausländer in China im Allgemeinen, abgesehen von der Sprachbarriere, viel einfacher haben als Chinesen. Wir haben bessere Arbeitszeiten, größere Wohnungen und werden besser behandelt. So bekomme ich zum Beispiel zusätzlich zu meiner normalen Bezahlung 500 Yuan um in der Kantine zu essen. Der Gehalt wird mir übrigens bar ausgezahlt.

Das Problem ist nun nur noch die Tatsache, dass ich für das sozusagen überlebenswichtige Alipay ein chinesisches Bankkonto brauche. Naja, eine Kollegin wird mit mir zur Bank gehen. Da man nur einen Ausweis zur Erstellung braucht liegt das einzige Problem im Chinesisch.

Mats, David, Yola, Kevin, Ron
Moderator, Sebastian(Sebi), Helena, Sebi(Sebastian), Levi, ein Anderer Typ

Ich hatte schon erwähnt, dass manche Schüler sich auf einen Wettbewerb vorbereiten: Der Wettbewerb hieß 2nd German Style Zhejiang Competition. Es gab drei Gruppen von unseren Schülern. Alle waren eindeutig unter den Besten des Abends. Sebi, Helena, Sebastian und Levi haben letztendlich den ersten Preis. Sie hatten das Thema Komödie und Tragödie und haben ein lustiges Theaterstück aufgeführt. Sebastian ist sehr ehrgeizig, und hat deswegen viel Arbeit in das Projekt gesteckt. Der Pokal steht jetzt bei uns im Lehrerzimmer.

An dem Abend war ich mit manchen Schülern (Sebi, Yola, Ron und Mats) Essen.

Die dringenden Probleme habe ich also gelöst: Trinkwasser ist da, ich verstehe meine Geräte, habe einen Vertag (auch wenn ich von dem buchstäblich nur Chinesisch verstanden habe), und konnte mit Helen, einer Highschool Englischlehrerin Klamotten kaufen gehen.

Jogginstrecke
Kanal

Eine Joggingstrecke am Kanal entlang habe ich ebenfalls gefunden. Sie ist ca. 4km lang, un dich habe sogar eine Partnerin gefunden. Als Ausgleich für den Verlust von Klettern & Co habe ich mir überlegt mit Parkour anzufangen. Chad würde mir mal sein Sportcenter zeigen, damit ich in sicherer Umgebung üben kann.

Ich besuche Dienstags und Donnerstags Chinesisch Klassen und Habe mich mit meinen drei „Klassenkameraden“ angefreundet. Chad, Harry und Chloe sind Middleschool Lehrer. Mit den Letzteren war ich am Dienstag auch vor dem Mittagessen in einem Cafe, zu dem wir cooler Weise auf Mopeds gefahren sind. Da die Chinesen tatsächlich noch rücksichtsloser Fahren als die Italiener, gewöhnt man sich schnell an das Sichdurchschlängeln und konstante Chaos und erlernt die nötigen Tricks.

Für alle Go-Interessierten: Ich habe Kontakt zu einem 3d hier in Hangzhou, der mir Unterricht geben will. Ich sortiere hier alles und dann geht’s los!!

Da ich jetzt doch sehr viel geschrieben habe, hoffe ich, dass eure Neugierde gestillt ist.  Ich bin über WhatsApp nicht wirklich erreichbar, wenn ihr mir unbedingt etwas schreiben wollt, tut das entweder über meine E-Mail (hanna@mueller101.de) oder über WeChat. Carla, das ist eine explizite Einladung für dich!!!

Ich erhebe keinen Anspruch auf grammatikalische Richtigkeit und Rechtschreibung, auch wenn ich jetzt Deutsch unterrichte!

Ich schaue mal, wann ich das nächste Mal die Zeit finde, um mich für Stunden an den Laptop zu setzen.

Familienskitouren in der Dauphiné – 7.4. 2017 bis zum 16.4. 2017

Familienskitouren in der Dauphiné       

Erprobt vom 7.4. 2017 bis zum 16.4. 2017

Von: Julia und Ronja, 14 (Julias von legendärem Gipfelehrgeiz besessene Tochter), Erik und Christoph, 15 (Eriks Sohn, angehender Seilträger). Mir, Uta, als (auto?)pädagogische Supervision.

Wenn die jugendlichen Kinder dringend Bewegung brauchen, sollte man eine Skiurchquerung der Dauphiné (Ecrins Massiv) ins Auge fassen. Eine vorzügliche Zeit dafür bieten die Osterferien.

Anfahrt: Auf vielen Ferienanfahrten erprobt und für gut befunden ist das nächtliche Anfahren, so zum Beipiel Abfahrt Karlsruhe 18 Uhr, Ankunft 2:00 in la Bérarde, 1713m, ein Dörfchen mit vielen großen Parkplätzen. Es empfiehlt sich hier ein Wohnmobil, um den Schlaf möglichst unterbrechungsfrei zu gestalten.

 

Tag 1: Als sehr guten Einstieg für diese Durchquerung befinden wir das 700hm Ski tragen: Aufstieg den Vénéon entlang nach Süden und auf einem Südhang zum Refuge de Temple Écrins, 2410m.

Der spartanische Winterraum des Refuges stellt zwei Töpfchen zur Verfügung, in denen mit Hilfe des mitgebrachten Kochers unter hohem logistischen Aufwand warme Nahrung erzeugt werden kann.

!!Familientip: Es gibt genug Decken um mehrere Höhlen zu bauen.

Tag 2: Aufstieg zum Col de la Temple, 3321m. Die Weckzeit sollte zur Unterstützung der guten Laune nicht zu früh gewählt werden, für uns hat sich 5:00 Uhr bewährt, mit Aufbruchzeit 6:30. Schon bald wendet man die beliebte Skitragetechnik kombiniert mit Steigeisengehen in einer ersten hart gefrorenen steilen Tragepassage an. Für die Fürsorgenden gibt es die Möglichkeit dort am Vortag Spuren in den weichen Schnee zu stapfen.

Hinauf geht es nun auf Skiern zum Col de la Temple durch das weite Becken des gleichnamigen Gletschers. Diversen schmerzenden Stellen sollte genügend Gesprächsraum gegeben werden, damit man sich durchwegs entspannt um 11 Uhr abfahrtbereit machen kann. Es folgen ein paar Schwünge im ostseitigen Firn, eine Einfahrt in eine nicht ganz einsehbare steile Rinne und bei wenig Schnee eventuell Zeit für die Übungseinheit „Steigeisen im steilen absturzgefährdeten Gelände anziehen und kontrolliert absteigen“.

Nach dieser interessanten Passage wird mit der ersten längeren Abfahrt der Durchquerung die positive Grundstimmung erzeugt, die für den 600hm Aufstieg auf das Refuge du Glacier Blanc, 2542m, benötigt wird. Kinder wie Erwachsene können auf einem nicht durchwegs spaltigen Gletscher, dem Glacier Noir, Skitechnik in unterschiedlichen Schneearten und Steilheiten praktizieren.
Auf 1950m trifft man auf den Hüttenweg des Refuge, dessen erste steile 300m in Kehren zu Fuß erstiegen werden. Französisch wird hier geübt durch ein Bonjour auf den Lippen, das von den Herabsteigenden auch teilweise erwidert wird. Das Refuge ist bald ständig zu sehen und es empfiehlt sich, die restlichen 300hm vom „schlimmsten Hüttenaufstiegsweg überhaupt“ in angemessener Distanz zu den Schutzbefohlenen zurückzulegen.

Tag 3: Als Einstimmungstour auf den am folgenden Tag anstehenden Dôme de Neige empfehlen wir den Roche Faurio, 3730m. Ein Frühstückszeit von 5:00 ist unbedingt durchzusetzen, damit man an dem berüchtigten dritten Tag genug Zeitpolster hat.
Psychologisches Geschick braucht es hier schon früh im Aufstieg, wenn man die nächste Unterkunft, das Refuge des Écrins, 3175m, passiert. Durch einfühlsames gegeneinander Ausspielen kann noch im Chillwilligsten das nötige Fünkchen Ehrgeiz geweckt werden, um an der Hütte vorbeizuziehen.
Wenn schon kein halber Pausentag eingelegt wird, so sollte man beim Aufstieg doch der unkoordinierbaren Aufeinanderfolge von Ausziehen, Trinken, Anziehen, Pipi machen, Tapen, Anziehen, Essen, Ausziehen, Tapen etc. mit höchster Geduld entgegenkommen. Schließlich gilt es nach einer wirklich schönen Abfahrt noch den 150hm Anstieg zur Hütte zu bewältigen.

!!Nachgedacht: Hat man nun das Bedürfnis, diesen Hüttenanstieg durch das Ausziehen der Skihose in kurzer (Unter)hose angenehmer zu gestalten, muss man bedenken, das dies dem begleitenden Kind in höchster Weise unangenehm, ja sogar äußerst peinlich ist, auch wenn keine fremden Menschen zugegen sind. Ob diese schwere Trauma Spätfolgen haben könnte, muss jede(r) Erziehungsberechtigte selbst beurteilen und danach entscheiden.

Tag 4: Dieser Tag bietet mit dem Dôme de Neige, 4015m, sicher den touristischen Höhepunkt der Durchquerung. Hier sollte man sich nicht selbst unter Druck setzen, Abmarsch um 6:00 reicht bei weitem. Der Jugend kann man in Anbetracht des kurzen Aufstiegs von 1000hm und des erholsamen Trödeltags davor ohne schlechten Gewissens zum Seiltragen animieren und es beim Aufstieg bei einer kurzen Trinkpause belassen. Für die Abfahrt auf dem teils extrem steilen und spaltigen Gletscher ist es abhängig von den Schneebedingungen ratsam dem jugendlichen Ungestüm durch Vorausfahren eine gewisse Bahn vorzugeben.

Tag 5: Am fünften Tag muss bei dieser Durchquerung der sehr steile Col Emile Pic bewältigt werden, der sich je nach Schneelage sehr unterschiedlich präsentiert. In jedem Falle ist die Familientauglichkeit garantiert, wovon auch der Hüttenwirt des Refuge des Écrins überzeugt ist. Für die ganze Familie ist es nach Tagen eintönigen Skischlurfens eine willkommene Abwechslung am selbst installierten Fixseil durch eine bröselige steinschlägige Rinne mit einer luftigen 3er Kletterstelle zu steigen. Da sich im Col die Gelegenheit zum Schneehöhlenbau bietet, finden die Erwachsenen die Möglichkeit den Gipfel des Roche Émile Pic zu befahren ohne sich allzu weit aus der aufsichtspflichtigen Zone zu entfernen.

Die folgende Abfahrt über den Glacier des Agnaux zum Glacier de la Plate des Agneaux ist geeignet für jede Altersstufe und es mangelt auch hier nicht an Möglichkeiten, an der Skitechnik zu feilen. Die Übergangsrinnen auf den zweitgenannten Gletscher sind bei wenig Schnee nicht alle befahrbar. Hier kann man Vertrauen demonstrieren, indem man den Jüngeren die Vorfahrt überlässt.

Das flache Tal hinaus geht es nun zum Refuge de l’Alpe de Villar–d’Arêne, 2077m, in welchem man für einen Pausentag zwei Nächte einplanen sollte. Da unterwegs das Bad in der jungen Romanche wieder Ursprung großer Peinlichkeitgefühle sein könnte, sei erwähnt, dass es im Refuge bei Sonnenschein eine warme Solardusche gibt. Wer das Naturerlebnis jedoch vorzieht, kann seinen Spross gut geschützt vor unangenehmen Anblicken hinter einem der im Gletscherrückzugsgebiet reichlich vorhandenen Hügel warten lassen.

!!Familientipp: Die Hüttenwirtin Sabine, eine gut deutsch sprechende Dame, fragt am Vorabend jede Gruppe nach Tourenziel und Frühstückszeit. Hier schiebt man, möchte man früher aufbrechen als nötig, das Tempo der Kinder als Grund vor und wird –außer bei letzteren – auf Verständnis treffen.

Tag 6: Unsere Empfehlung: Pausentag mit nur 1100hm zum Col des Agneaux, 3157m.

Tag 7: Aufgrund der etwas längeren Etappe sollte man heute schon um 4:00 wecken. Hat man in den letzten Tagen alles richtig gemacht, wird diese Ankündigung nun nur noch stumme Resignation hervorrufen. Die Grand Ruine, 3765m, ist 1700hm entfernt, dennoch möchte man nicht, dass sich der Tag zu sehr in die Länge zieht, weshalb eine gute Pauseneinteilung wichtig ist. Als zumutbar hat sich erwiesen, nach 600hm eine kurze Trinkpause einzulegen und nach 1200hm erst die Esspause. So ist das letzte Drittel etwas kürzer als die ersten, was sich psychologisch positiv auswirkt. Ebenfalls positiv für die Stimmung der Jugendlichen ist es, kein Bewusstsein über die große Länge der Tour zu entfachen und somit kräfteraubenden Diskussionen vorzubeugen.

Von der nunmehr sehr positiven Grundstimmung der Jugend profitieren wiederum die Erwachsenen. So geschehen bei uns, als Ronja die ganze Gruppe in gleichmäßigem Tempo die restlichen 450hm zum Skidepot führt, wo Christoph die Führung durch steilen felsdurchsetzten Firn zum Gipfel und zurück übernimmt. Der erziehungsberechtigter Trainer nimmt hier gerührt zur Kenntnis, dass nicht alle Energie vergeblich war, die in die sportliche Aufbauarbeit geflossen ist.

Solchermaßen rundumbestätigt beschließt man den letzten Abend auf dem Refuge Adele Planchard in dem Bewusstsein, dass sich eine erbauliche Familienskitourenwoche dem Ende zuneigt.

Tag 8: Der letzte Tag bietet anfangs noch etwas Nervenkitzel, wenn mit sehr steilen langen Tragepassagen der Col des Neiges und der Col de la Casse Déserte überschritten werden. Die letzte Abfahrt über den recht spaltigen Glacier de la Grande Ruine und ins Tal des Étançon wird man führen, da in Annäherung an das Ende der Durchquerung die Konzentration nachlässt. Das letzte Skitragen bis zu unserem Ausgangspunkt la Berarde, schließt auf schöne Weise den Kreis.

Unser Fazit: Familienskitouren mit Pfiff, für alle etwas dabei